Nicht nur während der Pandemie habe ich grosse Hochachtung vor der Leistung des Pflegepersonals sowie auch vor der des Spitalpersonals, das nicht so sehr im Fokus stand. Denn in Zeiten von Corona sind noch viele weitere Berufsgruppen enorm gefordert. Dazu gehören ebenfalls viele Akteure, die sich ausserhalb des Gesundheitswesens einsetzen, die Krise zu bewältigen. Wie wir wissen, gibt es viele Berufsgruppen, die wirtschaftlich stark zu kämpfen haben und zum Teil auch um ihre Existenz fürchten müssen. Ihnen allen gebührt mein grösster Respekt. Im GZO Spital Wetzikon haben die Massnahmen des Bundesrats teilweise für Entspannung gesorgt – jedoch nicht in Bezug auf genügend Pflegepersonal.
Seitdem ich im Gesundheitswesen tätig bin – und das sind nicht wenige Jahre –, gibt es zu wenig Pflegepersonal. Es fehlt jedoch auch an Ärzten, Ärztinnen und Personal in anderen Berufsgruppen des Gesundheitswesens. Es hat Zeiten gegeben, die weniger angespannt waren als die vergangenen Monate – auch, weil wir über lange Zeit von den Fachkräften aus unseren Nachbarländern profitiert haben, insbesondere denjenigen aus Deutschland. Jedoch wird oft vergessen, welche vielfältigen Möglichkeiten der Pflegeberuf eigentlich bietet.
Es gibt zahlreiche Einstiegsmöglichkeiten in den Pflegeberuf. Mit entsprechender Eignung kann dieser Beruf nach einer EFZ-Ausbildung oder auch nach der Matura erlernt werden. Der Einstieg in den Pflegeberuf kann aus unterschiedlichen Berufsfeldern erfolgen, beispielsweise nach einer Ausbildung zum Koch, zum Automechaniker, zur Detailhandelskraft und so weiter. Als Pflegefachfrau oder Pflegefachmann gibt es nach der Ausbildung die Möglichkeit, sich für eine Pflegestation in einem Spital zu entscheiden oder Einsatz in einem Alters- oder Pflegeheim sowie in der Spitex zu leisten. Auch Tätigkeiten im ambulanten Bereich sind eine Option. Hierzu gehören Fachbereiche wie zum Beispiel die Dialyse, Onkologie, Diabetesberatung, Pneumologie, Kardiologie, Gastroenterologie, Spitalhygiene oder auch die Schmerztherapie. Und wer sich weiterbilden möchte, kann sich mit einem Nachdiplomstudium in den Bereichen Intensivpflege, Notfallpflege oder Anästhesiepflege spezialisieren. Der Weg in eine Führungskarriere ist ebenfalls offen. Nicht zuletzt finden Pflegfachleute auch in der Pflegewissenschaft oder in Bildungsinstitutionen Karrieremöglichkeiten. Sie sehen, es bieten sich zahlreiche Optionen, die auf der Grundausbildung zur Pflegefachperson aufbauen. Nicht zu vergessen, bietet der Pflegeberuf in vielen Institutionen die Möglichkeit, Teilzeit zu arbeiten. Und falls jemand für eine Zeit lang aus dem Beruf aussteigen möchte, ist ein Wiedereinstieg jederzeit möglich.

Zum einen sind es die vielen verschiedenen Einstiegs- und Weiterbildungsoptionen, die ich vorhin aufgezählt habe. Zum anderen bietet der Pflegeberuf die Möglichkeit, etwas zu bewirken: Es handelt sich um eine sinnstiftende und verantwortungsvolle Tätigkeit für Menschen, bei der Teamarbeit sowie die Zusammenarbeit mit verschiedenen Berufsgruppen gefordert ist. Und zu guter Letzt ist sicher, dass die berufliche Weiterentwicklung nie endet, weil jede oder jeder Teil des medizinischen Fortschritts ist – der Pflegeberuf ist Teil der medizinischen Spezialisierung. Hier ist beispielhaft die Verlagerung von Behandlungen vom stationären in den ambulanten Bereich zu nennen. Dies hat wiederum den Vorteil, dass im ambulanten Bereich der Schichtdienst entfällt.
All diese Möglichkeiten bedürften einer enorm hohen Anzahl an Studierenden zur Pflegefachfrau oder zum Pflegefachmann, um den Bedarf an Pflegefachpersonal in allen Gesundheitsinstitutionen in der Schweiz abzudecken – und so viele Studierende gibt es leider nicht. Hinzu kommt, dass, je nachdem, welcher Weg eingeschlagen wird, der Karriereweg inklusive Ausbildung und Berufserfahrung um die zehn Jahre dauert. Dies ist zum Beispiel bei einer Weiterbildung zur Pflegefachfrau Intensivpflege, Notfallpflege oder Anästhesiepflege HF NDS der Fall. Ein weiterer Grund für den Personalmangel ist, dass der Pflegeberuf zwar eine ausgezeichnete Ausbildung ist, die jedoch auch Chancen auf eine Tätigkeit ausserhalb des Gesundheitswesens bietet. Berufs- und Lebenswege verlaufen nicht geradlinig, und so gibt es viele, die den Beruf verlassen. Zu berücksichtigen ist ebenfalls die Tatsache, dass der Beruf physisch sowie psychisch sehr anspruchsvoll ist. Etwas bewirken zu wollen und immer für andere da zu sein – unter anderem für Patienten und Patientinnen, Angehörige und das Team –, das kostet viel Energie. Es ist eine gute Work-Life-Balance vonnöten und, wie in anderen Berufen auch, ist nicht jede oder jeder dafür geeignet.
Ja und nein. Der hohe Spezialisierungsgrad macht dieses Berufsbild eigentlich sehr attraktiv. Die physischen und psychischen Herausforderungen fordern jedoch ihren Tribut. Insbesondere der Schichtdienst ist anstrengend und durch den Personalmangel wird die dafür notwendige Erholungszeit nicht unterstützt. Hinzu kommen weitere Faktoren: die Notwendigkeit, einspringen zu müssen und somit flexibel und einsatzbereit zu sein, sowie auch die Erfordernis, die mit dem Beruf verbundenen Emotionen verarbeiten zu müssen – all dies ist sehr energieintensiv. Neben alldem verbringen sowohl Pflegefachleute als auch Ärzte und Ärztinnen viel Zeit damit, Leistungen zu erfassen, um die Kosten nachzuweisen. Die Digitalisierung soll hierbei optimal unterstützen, doch der Prozess, eine digitalisierte Leistungserfassung in den Arbeitsalltag zu integrieren, geht nicht so einfach von der Hand. Heute wird auch ins Feld geführt, dass der Pflegeberuf keine Wertschätzung erfährt respektive ein schlechtes Image hat. Bessere Anstellungsbedingungen – insbesondere auch ein höherer Lohn – werden gefordert, die die Wertschätzung fördern und den Beruf attraktiver machen würden. Wir müssen uns in diesem Zusammenhang aber auch die Frage stellen, ob wir als Gesellschaft dazu bereit sind, mehr zu zahlen. Was weiterhin für eine Wertschätzungssteigerung benötigt wird, ist nicht abschliessend geklärt.
Es stellt sich die Frage: Welches ist denn der richtige Lohn für das Pflegepersonal im Akutspital, in den Pflegeheimen, in der Spitex usw.? Denn die Gehälter sind sehr unterschiedlich und nicht in allen Bereichen zu tief. Dies muss schon differenziert betrachtet werden. Und ob das zu einer Besserstellung des Pflegeberufs führt? Oder steigt das Ansehen des Pflegeberufs, sobald es dem des Arztberufs gleichgestellt ist – sofern ein Vergleich aufgrund der Aufgaben, Kompetenzen und Verantwortung überhaupt gerechtfertigt ist? Oder müssen wir gar am Image selbst arbeiten? Wie oft wird im Zusammenhang mit dem Pflegeberuf das «Füdliputze» genannt? Personen, die sich so über diesen Beruf äussern, wissen nicht, wovon sie sprechen. Derartige Aussagen zeugen von einem grösstmöglichen Mass an Respektlosigkeit.
Ich habe kein Rezept für die richtige Vergütung der Arbeit des Pflegefachpersonals. Interessanterweise spielt im Pflegeberuf der Wettbewerb, wie wir ihn aus anderen Berufsgruppen kennen, nicht eine gleich starke Rolle. Zwar konkurrenzieren die Akutspitäler, Pflege- und Altersheime sowie Spitex etc. untereinander, was wiederum zu höheren Löhnen beim Pflegefachpersonal führt, wenn es sich der Betrieb leisten kann. Dies geschieht jedoch nicht in dem Ausmass wie bei Spezialisten und Spezialistinnen, die in einem anderen Gebiet fehlen.
Es ist so, dass sich im Gesundheitswesen bezüglich Spitalfinanzierung und Leistungsangebot derzeit viele neue Massnahmen in der Umsetzung befinden. Dies wird sich auch auf den Pflegeberuf auswirken. In diesem Zusammenhang wird sich ebenfalls die Frage stellen, mit welchen Berufen welche Aufgaben in der Pflege auf der Station oder im ambulanten Bereich ausgeführt werden (Skill-Grade-Mix).
Bei den Gesundheitsinstitutionen wird sich schlussendlich auch die Spreu vom Weizen trennen. Eine reduzierte Anzahl an Akutspitälern könnte hier zu mehr Gesundheitspersonal für die anderen Betriebe führen. Aber ich bin überzeugt: Es wird dennoch nicht genügend Gesundheitspersonal geben.
Um sich dies leisten zu können, stellt sich die Frage, was wir als Gesellschaft bereit sind, zur Sicherstellung dieses Berufsstandes beizutragen. Wenn ich gesund bin, ärgere ich mich über Prämien- oder Krankenkassensubventionen aufgrund von hohen Gesundheitskosten. Wenn ich Patientin bin, dann will ich, dass alles getan wird, um einfach wieder gesund zu werden – mit der besten medizinischen Versorgung durch das gesamte Gesundheitspersonal. Hinzu kommt der Wunsch nach einer ausgezeichneten Hotellerie sowie der, keine störenden Zimmernachbarn zu haben. Welche Kosten aus diesem Komfort entstehen, interessiert mich erst in zweiter Linie, wenn überhaupt.
Es ist ein Teufelskreis: Wir haben nicht genügend Personal, damit wir die Einsatzplanung optimal vornehmen und all diesen Komfort gewährleisten können – denn Ausfälle des Personals durch die weiter oben genannten Gründe führen zu Personalknappheit. Gleichzeitig stellt sich immer wieder die Frage, wie viele Stellen mit welchem Fachpersonal besetzt werden sollen, um die qualitativ bestmögliche medizinische und pflegerische Behandlung zu gewährleisten. Hier kommt noch hinzu, dass der Druck am Arbeitsplatz sowie der finanzielle Druck auf die Spitäler beziehungsweise die Gesundheitsinstitutionen zunimmt. Entsteht die Angst am Arbeitsplatz, der Aufgabe nicht mehr gewachsen zu sein, dann ist dies eine schlechte Voraussetzung, seine Arbeit in der richtigen Qualität auszuführen – nicht nur im Spital.
Bei all diesen Themen stellt sich mir die Frage, was genau wir uns leisten wollen und wie sich dies finanzieren lässt. Warum gibt es zum Beispiel auch Kantone, die Bauprojekte ihrer Spitäler finanzieren oder subventionieren und damit den Wettbewerb verfälschen? Oder: Wie viele Fachkräfte in welcher Qualität werden pro Bett und pro Behandlung benötigt? Und wenn wir dann die Prozesse und Zusammenarbeit optimiert haben und diese beiden Werte kennen: Sind wir bereit, diese Qualität zu finanzieren?
Wie viel Pflegefachpersonal wir benötigen, ist auch eine Frage der heutigen Gesellschaft: Wie viel der Betreuung und Pflege haben wir an das Spital, das Alters- und Pflegeheim, die Spitex delegiert?
Doch trotz all diesen Herausforderungen bin ich nach wie vor davon überzeugt, dass die Berufe im Gesundheitswesen äusserst attraktiv sind, da sie den ganzen Menschen mit seinen Fähigkeiten und Emotionen fordern.
Hierfür müssen wir einige grundsätzliche Fragen beantworten: Wie können wir die Patienten und Patientinnen optimal versorgen? Und wie werden wir dem Fachpersonal gerecht, damit es den beschriebenen hohen Belastungen standhalten kann – also, dass es nicht krank wird, den Beruf wechselt oder mit Angst zur Arbeit kommen muss?
In den Spitälern müssen wir uns fragen, ob wir alles tun, um unser Leistungsangebot zu verbessern. Das bedeutet auch, dass wir nicht alles um jeden Preis anbieten, sondern schauen, wo wir stark sind. Dann gilt es, jegliche Prozessoptimierungen vorzunehmen. Hier sind Themen relevant wie: Welche Führungsorganisation ist die richtige? Stimmen die Personalressourcen hinsichtlich Stellen und Qualität? Wo und wie können wir den Materialverbrauch weiter optimieren (zum Beispiel Standardisierungen beim OP-Material), um die kommenden Herausforderungen anzunehmen? Funktioniert die Zusammenarbeit zwischen den Spitälern, Disziplinen und Berufsgruppen reibungslos oder schaut jeder nur auf sich selbst? Reden wir unangenehme betriebswirtschaftliche Situationen schön oder schauen wir wirklich hin und treffen auch unangenehme Entscheide? Und halten wir diese Konflikte aus, weil solche Entscheide nicht von allen akzeptiert werden können?
Etwas anderes können wir uns einfach nicht mehr leisten, als uns mit diesen Themen auseinanderzusetzen. Ich bin davon überzeugt, dass das Akutspital, das es zuerst schafft, sein Angebot so zu schärfen, um die Schranken zwischen Konkurrenten
und Berufsgruppen abzubauen und ein neues Zusammenwirken zu erreichen, im Vorteil ist. Ein solches Spital weiss auch, wohin die Reise geht.
Das GZO Spital Wetzikon schafft dies, wenn wir weiterhin diese Auseinandersetzungen führen und die Bereiche und Berufsgruppen über ihre Schatten springen, Enthusiasmus zeigen, innovativ sind und mutige Entscheidungen treffen. Ich zuerst – das war gestern.
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Herzlichen Glückwunsch! Unser Küchenchef Robert Hubmann hat beim Zukunftsträger-Preis (neu: #yourethebest) in der Kategorie Koch/Köchin den zweiten Platz belegt. Worum geht es bei dieser Auszeichnung und wer hat den gebürtigen Österreicher nominiert?…
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