Am Puls der Patienten

05/2020: Evelin Koch, Pflegefachfrau, gewährt Einblick in ihre spannende Welt voller blinkender Monitore, Vitalfunktionen und menschlichem Zuspruch.

6.30 Uhr

Dienstbeginn für Evelin Koch. Sie sei kein Morgenmensch, sagt sie schmunzelnd, aber das morgendliche rege Treiben auf der Tagesklinik am GZO Spital Wetzikon bringe ihren Kreislauf schnell in Schwung. Noch ist es jedoch ruhig. Im Stationszimmer fährt sie die Computer hoch. Ihre Berufskleidung hat sie bereits gestern für heute mit aus der Kleiderausgabe im Untergeschoss des Spitals abgeholt – ein Weg weniger am heutigen Tag. So bleibt ihr jetzt noch Zeit für einen Biss ins Brötli, während sie die heutigen Eintritte überfliegt: bis 7.00 Uhr allein neun Patienten. Für alle liegen farbige Patienten-Mäppli parat, die der Spätdienst am Vorabend vorbereitet hat. Sie beinhalten die OP-Anmeldung, OP-Aufklärung, Narkoseeinwilligung und -fragebogen und ein Prämedikationsblatt. Alle Patienten mit OP-Termin am heutigen Morgen werden sich bei Frau Koch und ihren Teammitgliedern melden. Nicht nur diejenigen mit ambulanten Eingriffen, sondern bis 10.30 Uhr auch diejenigen, die nach ihrer OP stationär bleiben. Einige von ihnen wird sie später während ihres Dienstes im Aufwachraum wiedersehen. Dann, wenn sie ihre Operationen überstanden haben.
 

7.00 Uhr

Drei Patienten warten bereits pünktlich vor dem Stationszimmer. Auch Herr D. ist darunter, er ist Frau Kochs erster Patient an diesem Morgen. Er kommt ohne Begleitung, seine Bronchoskopie (Lungenspiegelung) kann unter Sedation durchgeführt werden – bei gutem Verlauf verlässt er das Spital bereits am Mittag wieder. Frau Koch begleitet ihn aufs Zimmer, sie bringt ihm ein OP-Hemd und richtet – während er sich umzieht – seine präoperativen Medikamente her. Ihre Handgriffe sind routiniert, der Umgangston ist menschlich: «Alle Patienten reagieren unterschiedlich in einer Stresssituation, die so ein Spitaleintritt für die meisten darstellt. Manche zittern merklich und sind voller Sorge wegen des bevorstehenden Eingriffs, andere wiederum mögen einen lockeren Spruch oder Scherz vertragen.»

7.15 Uhr

Wieder am Bett bei Herrn D. Frau Koch hilft ihm noch schnell, das OPHemd am Rücken zu schliessen. Ob das Bett so bequem sei? Und ob er nochmal aufs WC müsse? Dann legt sie ihm einen venösen Zugang und befestigt die Infusion. Zur optimalen Vorbereitung auf den Eingriff muss Herr D. noch inhalieren, der Sauerstoffanschluss befindet sich am Kopfteil des Bettes. «Für viele Standardeingriffe ist in den Pflegeschemata genau festgelegt, welche pflegerischen Tätigkeiten wir auszuführen haben.» Frau Koch kennt sie aus dem Effeff, muss sie auch: «Es gibt ruhige Tage und solche, an denen es bereits morgens zugeht wie in einem Bienenstock. Über 20 neue Patienten pro Tag sind keine Seltenheit. Da packt jeder da an, wo er kann und gebraucht wird.» Frau Koch schätzt das grosse Miteinander im Team der Tagesklinik.
 

7.16 Uhr

Der erste Patient der Tagesklinik wird in seinem Bett bereits in Richtung Operationssaal geschoben. Die Pflegeassistentin der Station hilft, das sperrige Bett sicher zu manövrieren.
 

7.20 Uhr

Frau Koch kontrolliert die Vitalwerte bei Herrn D. Blutdruck, Puls, Sauerstoffsättigung und Temperatur sind gut. Sie notiert die Werte auf einem kleinen Zettel, den sie anschliessend wieder in der Brusttasche ihres Kasacks verschwinden lässt. Sie nimmt sich Zeit für den Patienten, erkundigt sich zwischendurch laufend nach seinem Befinden. «Was darf es zum z' Mittag sein: Ist ein Schinken-Sandwich in Ordnung? Oder lieber nur einen guten Kaffee?» Die Stimmung heute Morgen ist ruhig, irgendwas zwischen Müdigkeit und Anspannung.
 

7.25 Uhr

Während Herr D. inhaliert, bringt Frau Koch die Blutproben ins Labor. Ihre Schritte sind schnell: Sie müssen innert 15 Minuten im Labor untersucht werden können. Das Telefon klingelt, der Operationssaal erwarte Herrn D. um 8.00 Uhr.

7.27 Uhr

Zurück im Stationszimmer. Frau Koch führt die Pflegedokumentation nach. Sie überträgt die Vitalwerte von Herrn D. in den Computer: Er sei nach Standard vorbereitet und wohlauf. Sie hinterlegt seine Eintrittszeit und notiert, wann sie ihn in den Operationssaal schieben wird.
 

7.35 Uhr

Im Stationszimmer meldet sich eine Frau zur ambulanten Blutabnahme. Kurzer Blick auf die Uhr, Frau Koch übernimmt. «Ich hab noch 10 Minuten», ruft sie ihrem Team zu und nimmt die Patientin grad mit in den entsprechenden Raum. Frau Koch bittet sie, Platz zu nehmen und checkt die Verordnung. «Lehnen Sie sich zurück und denken Sie an was Schönes, vielleicht an den Kaffee, der auf Sie wartet.» Sie plaudert mit der Patientin, während das Blut läuft. Gut über 30 Blutentnahmen werden so täglich auf der Tagesklinik durchgeführt, die meisten unangemeldet. Das Team der Tagesklinik ist flexibel.
 

7.43 Uhr

Schnell die Blutproben ins Labor hoch bringen, schliesslich muss Herr D. bald in den Operationssaal. Letzter Check mit dem Standardablauf im Patienten-Mäppli: Alles ist erledigt, Herr D. kann in den OPS.
 

7.50 Uhr

Frau Koch deckt Herrn D. zu und klappt die seitlichen Bettgitter für den Transport hoch. Die Wege sind schmal, zwei verschiedene Lifte muss sie nehmen. Frau Koch ist es gewohnt, das schwere Bett zu stossen, trotzdem ist sie froh, wenn ihr der Zivildienstleistende am GZO beim Manövrieren durch die engen Spitalgänge hilft. Herrn D.s persönliche Sachen und Kleider bleiben in der Tagesklinik in seinem Nachttisch. Er wird nach dem Eingriff wieder ins gleiche Zimmer zurückkehren.
 

7.57 Uhr

Im OP-Bereich angekommen übergibt sie Herrn D. für die Bronchoskopie an die Pneumologie-Pflege. Er sei nüchtern, habe inhaliert und die Infusion laufe. Sie verabschiedet sich von Herrn D. Je nach Verlauf seines Eingriffs wird er anschliessend direkt wieder in die Tagesklinik zurückkehren können und gar nicht zur genaueren Überwachung in den Aufwachraum kommen.
 

8.00 Uhr

Kurzer Abstecher in den Aufwachraum, der an den OP-Bereich angrenzt. Hier wird Frau Koch den zweiten Teil ihres heutigen Frühdienstes verbringen, sobald der erste Frischoperierte aus dem Operationssaal kommt. Noch laufen die Eingriffe, alle sieben Kojen sind frei. Frau Koch startet die Computer. Oben auf der Tagesklinik werden dringend Infusionshaken gebraucht. Sie nimmt so viele mit, wie sie tragen kann.
 

8.04 Uhr

Zurück auf der Tagesklinik. Eine Hilfe suchende Frau steht beim Lift. Sie sei hier zur Blutentnahme. Frau Koch kümmert sich sofort.
 

8.11 Uhr

Zeit für einen Kaffee, gerade ist es ruhig. «Die Znüni-Pause ist ein magischer Moment. Wenn du ihn nicht wahrnimmst, ist es gelaufen», sagt Frau Koch schmunzelnd und beisst in das angefangene Brötli vom Morgen.

8.18 Uhr

Der Etikettendrucker spuckt eine weitere Verordnung zur Blutabnahme aus. Noch ist unklar, wann genau der Patient kommt.
 

8.19 Uhr

Das Telefon klingelt. Der Operationssaal kündigt den ersten Patienten für den Aufwachraum in ca. 15 Minuten an – ihren restlichen Dienst wird Frau Koch ab jetzt dort leisten. Schnell noch einen Schluck Kaffee, die kurze Pause ist vorbei. Frau Koch checkt die Eintrittsliste: Der Patient aus Zimmer 103 muss in den OP. Frau Koch kann ihn grad mitnehmen auf ihrem Weg hinunter. «Nie leer laufen, das lernt man schnell, wenn so viel los ist.» Frau Koch lacht und steht auf.
 

8.23 Uhr

Zimmer 103. Frau Koch stellt sich vor: «Ich bin Ihre Taxifahrerin für heute.» Sie verschliesst den durchsichtigen Beutel mit seinen Wertsachen und erklärt ihm, dass nachher alles abgeholt und direkt auf sein Zimmer gebracht wird – er wird nach seinem Eingriff noch ein paar Tage stationär bleiben. Und wieder geht die Fahrt los in den Operationsbereich. Als sie im Untergeschoss des Spitals am Bistro vorbeikommen, scherzen beide. Für Frau Koch ist es heute ein guter Morgen, sie hatte Zeit für ihr Frühstück; der Patient ist nüchtern.
 

8.30 Uhr

Im Operationssaal werden sie vom Lagerungspfleger bereits für den Sicherheitscheck erwartet. Der Lagerungspfleger und ein Pfleger von der Anästhesie stehen bereit und kontrollieren die Patientendaten vom Patientenarmband und gleichen sie mit den mitgebrachten Patientenakten und ihren Dokumenten ab. «Erster Check erfolgreich bestanden.» Der Patient wechselt auf die parat stehende OPLiege, Frau Koch hilft ihm noch, sein Nachthemd auszuziehen und deckt ihn mit einem vorgewärmten Tuch zu. «Toi toi toi, ich sehe Sie nachher im Aufwachraum wieder.»
 

8.33 Uhr

Nun geht der Dienst im Aufwachraum los. Hier wird jeder Patient, der eine Narkose erhalten hat, solange überwacht, bis seine Vitalfunktionen wieder stabil sind. «Anders als auf den Bettenstationen, die klar der Medizin oder der Chirurgie zugeordnet sind, haben wir es im Aufwachraum und in der Tagesklinik mit Patienten aus allen Fachbereichen zu tun, die Arbeit ist sehr abwechslungsreich.» Zur Unterstützung ist jeder Bettenplatz mit Monitoren ausgestattet, die lückenlos Blutdruck, Atmung und Herzschlag messen. «Wir können schnell reagieren, wenn es jemandem schlecht geht oder jemand Schmerzen hat. Auf der Station ist so eine umfassende Überwachung nicht kontinuierlich möglich.» Auch Komplikationen können so frühzeitig erkannt und therapiert werden. Im Durchschnitt sind die Patienten zwischen 60 bis 90 Minuten in ihrer Obhut, je nach Operation, Krankengeschichte und Gesundheitszustand können daraus aber auch bis zu 12 Stunden werden.
 

8.40 Uhr

Die erste Patientin für heute Morgen wird jeden Moment erwartet. Nach einem offenen Sehnen-Debridement befindet sie sich noch in der Ausleitung des OP-Bereiches. Alle Frischoperierten kommen erst zu Frau Koch in den Aufwachraum, wenn sie eigenständig atmen, ihre Grundreflexe müssen funktionieren. Frau Koch nutzt die Zeit und richtet die bereits fix verordneten Medikamente. «So kann ich trotzdem schon etwas vorarbeiten, auch wenn ich noch warten muss.» Sie spritzt das Schmerzmittel in die Grundinfusion und beschriftet die Etikette ordnungsgemäss.
 

8.50 Uhr

Der Mitteldienst fängt an. Gedacht als Springer zwischen den Abteilungen Tagesklinik und Aufwachraum hilft er dort aus, wo er gerade benötigt wird. Frau Koch schickt ihre Kollegin hoch auf die Tagesklinik.
 

9.00 Uhr

Von der Patientin immer noch keine Spur. Das Warten fällt schwer. Alle Arbeiten sind gemacht, der Medikamentenschrank kontrolliert, Verbrauchsmaterial und Medikamente sind aufgefüllt und bestellt. Frau Koch checkt abermals den heutigen OPPlan. «Man weiss nie genau, wann ein Patient kommt. Zwar bekommen wir im Voraus einen Anruf der Anästhesiepflege, aber manchmal verschätzen sie sich und ihre Patienten haben länger als gedacht, bis sie aus der Narkose aufwachen.»
 

9.04 Uhr

Hinter der Tür zum OP-Bereich tönen Stimmen, Frau Koch schnellt hoch, sie ist sofort parat. Der Anästhesiepfleger schiebt Frau R. in den Aufwachraum. Gemeinsam rollen sie das Bett in Koje 5. Frau Koch beugt sich über die Patientin; ihr Tonfall wird weich, als sie sich vorstellt: «Wie geht es Ihnen, haben Sie gut geschlafen?» Sie hängt die vorbereitete Infusion an. «Tut Ihnen etwas weh? Ist Ihnen schlecht?» Frau R. reagiert nur benommen, ihre Augen fallen immer wieder zu. Der Anästhesiepfleger rapportiert an Frau Koch: Der kurze Eingriff sei gut verlaufen, Frau R. habe bereits Schmerzmedikamente erhalten und sei in gutem und stabilem Zustand. Sie habe keine Allergien. Das gelbe Operationsprotokoll legt er ins Patienten-Mäppli.

9.16 Uhr

Frau R. ist noch nicht bei vollem Bewusstsein. Manchmal öffnet sie kurz die Augen, schliesst sie aber gleich wieder. «Frisch operierte verbringen im Aufwachraum eine wichtige Phase zwischen Narkose und Aufwachen. Sie dürfen bei mir noch ein bisschen träumen und bekommen jene Zeit, die sie brauchen.» Frau Koch hat stets ein wachsames Auge auf sie. «Allein auf die Monitore kann ich mich nicht verlassen, sie sind nur eine Unterstützung. Genauso wichtig sind meine Beobachtungen im Direktkontakt mit ihnen.» Wann immer Frau R. kurz wach ist, beruhigt sie Frau Koch, alles sei gut. «Es gibt auch Patienten, die stellen alle paar Minuten dieselbe Frage – so tief sind sie noch in ihrer Traumwelt.» Und auch das zehnte Mal reagiert Frau Koch fürsorglich professionell. Es ist der Patientenkontakt, den sie an ihrem Job vor allem schätzt. «Mein Ziel ist es, allen eine möglichst angenehme Zeit im Aufwachraum zu ermöglichen.»
 

9.33 Uhr

Frau Koch füllt den Pflegebericht aus. Die Patientin sei wach, orientiert, sie atme suffizient, die Vitalwerte seien normal. Sie hält sich bewusst knapp. «Das Ziel ist nicht, einen Roman zu schreiben, sonst überliest man schliesslich das Wesentliche.» Ins Überwachungsblatt überträgt sie zudem alle zehn Minuten die Vitalwerte.
 

9.40 Uhr

Die zweite Patientin des heutigen Tages wird nach einer MagenbypassOperation in den Aufwachraum geschoben. Frau Koch weist ihr Koje 6 zu, so hat sie beide bestens im Blick. Auch Frau B. ist zunächst in einer Art Dämmerzustand, sie stammelt Worte, windet sich unter Schmerzen. Frau Koch stellt sich vor, richtet das Kopfteil des Bettes auf, versucht es der Patientin so bequem wie möglich zu machen und redet ihr gut zu. «Ich gebe Ihnen gleich etwas gegen die Schmerzen.» Während der Übergabe mit dem Anästhesiepfleger hat sie Frau B. die ganze Zeit im Blick.
 

9.42 Uhr

Frau B. kämpft mit Schmerzen, noch wirkt das Morphin nicht, dass Frau Koch ihr soeben gespritzt hat. Das Überwachungsgerät versucht, den Blutdruck zu messen. Frau B. fuchtelt mit den Armen, die Maschine gibt schrill an. Frau Koch erklärt ihr, dass sie den Arm strecken müsse; redet immer wieder beruhigend und einfühlsam auf sie ein. Ihre Hand ruht dabei sanft auf ihrem Arm.
 

9.50 Uhr

Die Sauerstoffsättigung von Frau R. in Koje 5 ist gut. Frau Koch stellt den Sauerstoff ab. Sie reicht ihr einen Becher Wasser, nicht viel grösser als ein Schnapsglas. «Ganz langsam trinken, damit Sie sich nicht verschlucken.» Rasch kontrolliert sie noch die Wunde am ruhig gestellten Bein, die Verbände sind trocken, eine Blutung kann nicht erkannt werden.
 

9.53 Uhr

Die nächste Morphiumspritze erzielt noch immer keine spürbare Linderung für Frau B. in Koje 6. Nach Rücksprache mit dem Oberarzt Anästhesie verabreicht Frau Koch ihr zusätzlich noch ein Mittel gegen körperliche Unruhe. Die Zusammenarbeit mit den Oberärzten und Pflegefachkräften der Anästhesie ist eng. Ihre Weiterbildung in Überwachungspflege (IMC) befähigt Frau Koch unter anderem, starke Schmerzmedikamente nach Schema selbstständig zu verabreichen. Sie weiss, welche Medikamente sich mit was vertragen und was es für Besonderheiten bei einzelnen Krankheitsbildern zu beachten gibt. Trotzdem sichert sie sich bei Verordnungen grundsätzlich telefonisch ab. Der Verbrauch an Schmerzmitteln im Aufwachraum ist hoch. «Es kann gut vorkommen, dass wir an einem Tag für alle Patienten über 30 Ampullen Morphium verbrauchen.»
 

10.00 Uhr

Heute Morgen ist es ausnahmsweise relativ ruhig im Aufwachraum. Zwei Sectios der Frauenklinik haben die detaillierte OP-Planung durcheinander gebracht. Die beiden Frauen werden anschliessend im Gebärsaal versorgt und kommen nicht in den Aufwachraum. Alle anderen Eingriffe in den beiden betroffenen OP-Sälen verschieben sich nach hinten. Das sei normal, bestätigt Frau Koch, das GZO sei schliesslich ein Akutspital, mit dem müsse man umgehen können. Erst später wird das Tempo anziehen. «Das ist meist so bei uns. Entweder es ist kaum was los oder vier Frischoperierte kommen auf einmal.» Frau Koch nimmt’s gelassen, dafür habe sie jetzt mehr Zeit für ihre beiden Patienten. In Stosszeiten – und je nach Komplexität der Eingriffs und Morbidität der Patienten – sind sie sonst zu dritt im Aufwachraum.

10.08 Uhr

Mit einem Schwämmchen benetzt Frau Koch die Lippen von Frau B. mit Wasser. Sie deckt sie immer wieder zu, streicht ihr über die Hand und spricht leise und beruhigend auf sie ein.
 

10.13 Uhr

Frau R. darf auf die Station entlassen werden. Sie ist dank Schmerzmitteln derzeit beschwerdefrei, ihre Vitalfunktionen sind stabil. Ihr Verband ist trocken. Frau Koch greift zum Telefon und meldet sie auf der chirurgischen Bettenstation an. Anschliessend finalisiert sie die Pflegedokumentation und bereitet die Leistungserfassung für die Abrechnung vor.
 

10.15 Uhr

In Koje 6 wird es langsam ruhig, das Morphium wirkt. Die Patientin ist eingeschlafen, leichte Schnarchgeräusche ertönen.
 

10.27 Uhr

Frau R. wird vom chirurgischen Pflegepersonal des 5. OG abgeholt. Im Übergabegespräch werden nochmals alle relevanten Informationen durchgegangen. Danach hilft Frau Koch ihrer Patientin, ins Spitalhemd zu schlüpfen. Die noch laufenden Infusionen befestigt sie am Infusionshaken des Bettes, alle sonstigen Kabel entfernt sie. «Sonst sehen Sie so krank aus», zwinkert sie der Patientin zu und verabschiedet sich. Nach 1 Stunde und 23 Minuten verlässt Frau R. den Aufwachraum.
 

10.30 Uhr

Koje 5 ist nun leer. Alles Mehrwegmaterial muss desinfiziert und versorgt werden. Auch der Monitor und der Arbeitstisch werden desinfiziert. Innert vier Minuten ist Koje 5 parat für den nächsten Patienten.
 

10.56 Uhr

Der Spätdienst fängt an. Die beiden Kolleginnen besprechen den bisherigen Vormittag und gehen mit Blick auf den OP-Plan die nächsten Patienten zusammen durch.
 

11.14 Uhr

Jetzt geht es Schlag auf Schlag. Die verschobenen Eingriffe in OP 1 und OP 2 sind beide fertig, die Patienten bereits angekündigt. Frau Koch und ihre Kollegin sind parat. Es sind komplexe Eingriffe. Die Mittagspause wird heute noch warten müssen. Aber der Morgen ist gut verlaufen.

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