Heute freut sich Susanne C., wenn sie vor einem Spiegel steht. Doch jahrelang hatte sie Mühe, sobald sie nur schon an einer Fensterscheibe vorbeikam, sich darin spiegelte und unweigerlich hinschaute. «Ich konnte nicht anders, als meine Figur zu kritisieren.» Später, als sie nach der operativen Verkleinerung ihres Magens bis zu 40 Kilo abgenommen hatte, wirkte das Spiegelbild manchmal fremd. «Bin ich das tatsächlich?», sei es ihr durch den Kopf gegangen, um erleichtert festzustellen: «Ich bin nicht mehr dick!»
Das fehlende Sättigungsgefühl
Bereits in ihrer Jugend begann sich die Gewichtsspirale zu drehen. Erst nahm sie zwei, drei Kilo ab, dann wieder ein paar Kilo zu. Später waren es fünf bis zehn Kilo weniger, aber darauf vielleicht zwölf Kilo mehr. «Das wiederholte sich, sodass ich stetig mehr wog.» Susanne C. hatte mehrmals ein Diätprogramm befolgt, allerdings ohne langfristiges Resultat.
«Dieses fortwährende Abnehmen und Zunehmen empfand ich als sehr ermüdend. Ständig überlegte ich mir, was ich essen durfte und sollte – mit der Angst, etwas falsch zu machen und zuzunehmen.» Die Portionen zu reduzieren fiel ihr schwer, weil der Körper nicht mehr signalisierte, wann er sich satt fühlte. Zudem lag es nicht allein an der Essensmenge, sondern auch am Stoffwechsel, der aus der Balance geraten war.
Suche nach einem zielführenden Weg
Als die Waage schliesslich 105 Kilo anzeigte, beschloss Susanne C., einen anderen Weg einzuschlagen als die schon oft versuchte Abnehmtour. Entscheidend war weniger ihr Äusseres als vielmehr die offensichtlich verminderte Beweglichkeit: «Beim Schuhebinden kam der Bauch in die Quere, das Treppensteigen war mühsam und vor allem fühlte ich mich in meinen sportlichen Aktivitäten beeinträchtigt. Die Perspektive, noch mehr zuzulegen und an möglichen Folgekrankheiten zu leiden, war bedrohlich. Ich musste jetzt handeln.»
Begleitung im Adipositas-Zentrum des GZO
Susanne C. hatte sich im Internet zur Übergewichtschirurgie (Bariatrie) informiert und sich dazu mit anderen Frauen ausgetauscht, bevor sie sich beim Adipositas-Zentrum des GZO anmeldete. Sie war froh, in der Nähe ihres Wohnorts kompetente und sympathische Fachpersonen kennenzulernen, die ihr alle Informationen zu den Operationsverfahren gut erklärten. Das GZO Spital Wetzikon bietet die beiden klassischen bariatrischen Methoden an: den Magenbypass und den Schlauchmagen. Beides führt zur massiv reduzierten Aufnahme von Nahrung und Kalorien.
Die damals 54-Jährige entschied sich für den Schlauchmagen und somit für die Entfernung von vier Fünfteln des Magens. «Das lässt sich nicht rückgängig machen! Es ist ein grosser, mutiger Entscheid. Dafür muss man vieles überlegen und absolut sicher sein, dass man es für die eigene Gesundheit tut und nicht, um anderen zu gefallen.» In dieser Entscheidungsphase halfen die Gespräche mit den erfahrenen Adipositas-Fachleuten am GZO ganz wesentlich. «So konnte ich die Vorteile den möglichen Risiken gegenüberstellen, die mir die Ärzte ehrlich aufzeigten, was ich wertvoll fand.»
Sorgfältige Vorbereitung auf den Eingriff
Eine bariatrische Operation kommt für das Adipositas-Team nur infrage, wenn sich die Patientin oder der Patient dafür eignet. Neben den eingehenden Arztgesprächen und medizinischen Untersuchungen finden im Hinblick auf den Eingriff klärende Gespräche mit der Psychologin und der Ernährungsberaterin statt. Besonders eindrücklich war für Susanne C. zu erfahren, «wie vergleichsweise klein die Mahlzeiten nach der Operation sein würden – und dass der Genuss nicht von der Menge abhängt».
Im Oktober 2021 fand die Operation, mittels minimalinvasiver Schlüssellochtechnik, am GZO statt. Susanne C. sagt, sie habe Ängste verspürt, die wohl normal seien angesichts einer Narkose und Operation. «Sorgen machte ich mir, ob der Magen an der operierten Stelle dicht sein würde. Der Chirurg hatte mir dies versichert, dennoch war es ein komisches Gefühl, das aber nach der Operation verschwand.»
Leichter etwas Neues wagen
Nach drei Tagen im Spital durfte Susanne C. heimkehren. Sie erholte sich rasch und ging täglich etwas länger spazieren. Weil sie nun weniger essen konnte und auch dank der regelmässigen Bewegung nahm sie bald Kilo um Kilo ab, bis sie ihr Gewicht von heute etwa 70 Kilo fand, mit dem sie sich rundum wohlfühlt. «Grundsätzlich war ich schon davor gut geerdet, da ich glücklich mit meiner Familie und dem Freundeskreis bin. Allerdings, normalgewichtig zu sein, hat mein Selbstbewusstsein gestärkt.»
Sie wagte es, sich für einen Job zu bewerben, bei dem sie sich exponieren muss, bekam ihn und freut sich, andere Menschen zu treffen – «weil ich nichts mehr zu verstecken brauche». Der neue Job ist spannend und anspruchsvoll zugleich. Sie liebt neue Herausforderungen, wie beispielsweise auch das Golfspielen, das sie erst nach der Operation erlernte, weil sie sich davor ihres Volumens wegen geniert hätte.
Mit einem Pizza-Achtel zufrieden
Das Essen geniesst Susanne C. nach wie vor, insbesondere in Gesellschaft. Es habe nach der Operation jedoch über drei Jahre gebraucht, bis sie auch im Kopf begriff, dass der Magen nur kleine Mengen aufnehmen kann. Die Lust auf feine Sachen sei verführerisch gewesen, weshalb sie manchmal zu viel geschöpft habe. «Aber», und sie lacht befreit, «wenn ich auf meinen Magen höre und von einer Pizza nur einen Achtel esse, fühle ich mich vögeliwohl.»
Fünfjährige Kontrolle im Adipositas-Zentrum
Vor der Operation musste sie sich, auch für die Kostengutsprache der Krankenkasse, verpflichten, während fünf Jahren danach die regelmässigen Kontrolltermine im Adipositas-Zentrum einzuhalten. Susanne C. schätzt diese vertrauensvolle Begleitung sehr, da sie ihr die Sicherheit gibt, alles richtig zu machen und Fragen jederzeit unkompliziert klären zu können.
Selbstverantwortung bleibt wichtig
Susanne C. erzählt offen von ihren Erfahrungen – und hat mit einer Kollegin eine Selbsthilfegruppe gegründet –, um das Thema Übergewicht zu enttabuisieren. Zudem bestehe das Vorurteil, es sei einfach, sich operieren zu lassen und damit die Probleme loszuwerden. «Aber man kann die Verantwortung für die eigene Gesundheit nicht abgeben. Ich muss weiterhin gut auf mich achten. Das fällt mir dank des neuen Körpergefühls leichter.»
ÖFFENTLICHER VORTRAG ZUM THEMA
«Neue Bausteine in der Adipositas-Therapie:
Endoskopische Verfahren im Gesamtkonzept»
Mittwoch, 21. Oktober 2026 um 18.30 Uhr