8813 Kilometer weit entfernt: Lillys Studienreise nach Vietnam

06/2026: Lilly Tobias ist 17 Jahre alt und im zweiten Lehrjahr zur Ausbildung als Fachfrau Gesundheit (FaGe). Anfang 2026 ist sie zu einer Studienreise nach Hanoi, Vietnam aufgebrochen und 8113 Kilometer weit gereist – vom GZO zum Ha Dong District Hospital. In ihrem Reisebericht erzählt sie ganz persönlich von diesem Abenteuer.

Ich heisse Lilly Sophie Tobias und bin aus Fehraltorf im Kanton Zürich. Da ich keine speziellen Hobbys habe, verbringe ich viel Zeit mit Kochen, Backen, Spaziergängen mit unserem Hund und ich lese mit Freude Bücher. Ausserdem ist es mir sehr wichtig, Zeit mit meinen Liebsten zu verbringen.

Ich bin in einer Familie aufgewachsen, in der alle im Gesundheitswesen arbeiten. Mein Vater arbeitet als Anästhesiepflege-Experte, meine Mutter als diplomierte Pflegefachfrau und WG-Leitung und meine Grossmutter war Kinderkrankenschwester. Meine ältere Schwester Rebecca macht ebenfalls die FaGe-Ausbildung am GZO und schliesst sie dieses Jahr ab.

Ich erlebe meine Ausbildung als sehr vielfältig und mich freut besonders, dass trotz der unklaren Lage sehr viel Positives geschieht und ich jede Menge Erfahrungen sammeln darf. Ich werde im GZO gut betreut, auf meine Bedürfnisse wird eingegangen und ich erlebe eine angenehme Lernatmosphäre.

Bewerbung für das Mobilitätsprojekt Vietnam 2026
Im vergangenen Jahr wurde in der Schule das sogenannte «Mobilitätsprojekt Vietnam 2026» beworben, ein Projekt, welches den Studierenden Einblick in ein unbekanntes Gesundheitssystem ermöglicht. Es wird in Zusammenarbeit mit der Firma «Projects Abroad», Movetia und dem ZAG für auszubildende FaGes angeboten, die den Bilingual-Unterricht oder das Freifach Englisch besuchen. Meine Schwester hat 2025 ebenfalls an einem Mobilitätsprojekt in Tansania teilgenommen und deshalb wusste ich bereits ein bisschen, wie das Ganze funktioniert. Durch ihre Erzählungen und meine Auseinandersetzung mit dieser Möglichkeit habe ich mich letztendlich dazu entschlossen, mich zu bewerben.

Der Bewerbungsprozess war sehr umfangreich und ich musste meinen Lebenslauf sowie ein Motivationsschreiben einreichen, diverse Rückmeldungen meines Lehrbetriebs vorlegen und ein Vorstellungsvideo auf Englisch drehen. Danach habe ich noch ein Bewerbungsgespräch mit den Projektleiterinnen geführt.

Vietnam, wir kommen!
Ich habe mich unglaublich gefreut, als ich dann angenommen wurde. Am 23. Januar 2026 ging es zusammen mit 14 anderen Auszubildenden im zweiten Lehrjahr auch schon los. Wir sind von Zürich über Hongkong nach Hanoi geflogen, ein sehr langer Hinflug, bei dem wir uns als Gruppe aber schon einmal kennenlernen konnten.

Einsatz im Ha Dong District Hospital und bei den Medical Outreaches
Unser Hotel und das Ha Dong District Hospital, in dem wir gearbeitet haben, lagen ziemlich im Zentrum von Hanoi. Das Spital hat rund 550 Betten und 33 Fachabteilungen. Die Pflege ist ganz anders im Vergleich zur Schweiz. Was hierzulande eine Bezugspflege ist, nennt sich in Vietnam Funktionspflege. Die Pflege, die wir kennen, wird grundsätzlich von den Angehörigen übernommen und die Pflegefachkräfte sind für alle medizinaltechnischen Aufgaben zuständig wie zum Beispiel dem Richten und Verabreichen von Infusionen, Blutentnahmen oder auch diverse Verbandswechsel. Ebenfalls ganz anders war der Umgang mit den Medikamenten: Diese wurden eher sparsam eingesetzt, Antibiotika wurden hingegen regelmässig verabreicht und die traditionelle Medizin war ein zentrales Element der gesamten Medizin und Pflege.

Die Arbeit im Spital war sehr eindrücklich und hat meine Perspektive zu vielen Gesundheitsthemen verändert. Dazu haben auch die sogenannten «Medical Outreaches» beigetragen, während denen wir eine Schule für Hörbeeinträchtigte und ein Rehazentrum abseits von Hanoi besuchen konnten. Letzteres war sogar gleichzeitig ein Pflegeheim, eine Schule und eine Art Spital in einem.

Aktivitäten neben der medizinischen Arbeit
In unserer Freizeit haben uns die Leitungen der Firma «Projects Abroad» Hanoi von einer anderen Seite gezeigt. Wir haben zum Beispiel ein traditionelles Water Puppet Theater besucht oder bestimmte Hotspots und Sehenswürdigkeiten besichtigt wie die Silk Village, die Train Street, den Ha Long Bay und das French Quarter.

Bye, bye, Hanoi
Am 8. Februar ging es dann bereits wieder zurück nach Hause. Die Rückreise hat sogar noch ein wenig länger gedauert, aber in dieser Zeit konnten wir unsere Erlebnisse in Vietnam schon einmal reflektieren. Einen besonderen Eindruck auf mich gemacht haben die Gelassenheit der Menschen, ihre Gastfreundschaft und ihre Bemühungen, uns eine gute und erinnerungsreiche Bildungsreise zu ermöglichen.

Meine Pläne für die Zukunft
Dieses Abenteuer hat mir sehr viel Freude gemacht und ich würde Ähnliches gerne auch in Zukunft erleben. Nach meiner FaGe-Ausbildung werde ich voraussichtlich das Studium zur diplomierten Pflegefachfrau HF absolvieren und danach vielleicht eine weitere Reise in diesem Stil planen. Denn Vietnam war eine meiner schönsten Reisen, von der ich sehr viel mitnehmen konnte und bei der ich gewisse Ansichten verändern durfte. Ich bin sehr dankbar für diese Möglichkeit und für all die Menschen, die mir dieses unvergessliche Erlebnis ermöglicht haben.
 

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