Wenn der Knochen bricht: Erste Hilfe in Notfallsituationen

15.09.2022 Knochenbrüche heilen leichter, wenn rasch und richtig gehandelt wird. Worauf es in solchen Situationen ankommt, erläutern die beiden GZO-Experten aus den Fachbereichen Traumatologie und Notfallmedizin in einem Vortrag am 21. September. Dr. med. Patrick Saudan vorab im Interview.

Entgegen der Vermutung sind unsere Knochen gar nicht hart, sondern elastisch und äusserst lebendig. Warum?

Die Natur hat es gut eingerichtet: Risse und Brüche, die Stürze oder Stösse in Knochen hinterlassen können, werden durch ein raffiniertes System repariert. Ausserdem werden die Knochen permanent ab- und wieder aufgebaut. So erneuert sich unser gesamtes Skelett alle acht bis zehn Jahre vollständig. Knochen ist eines der wenigen Gewebe, das ohne Narben verheilt.
 

Warum brechen Knochen aber überhaupt so oft?

Ganz einfach: Weil viele Menschen hinfallen – bei der Arbeit, in der Freizeit und in den eigenen vier Wänden. Statistiken zeigen: Mit zunehmendem Alter steigt die Sturzgefahr. Beim Aufprall können die wirkenden Kräfte grösser sein als die Festigkeit des Knochens. Im Alter nimmt die Brüchigkeit der Knochen zu.
 

Woran erkennt der Laie, dass der Knochen gebrochen ist?

Bei einem Knochenbruch ist die Kontinuität des Knochens komplett oder teilweise unterbrochen. Schmerzen, verrenkte Gliedmassen und fehlende oder eingeschränkte Beweglichkeit der betroffenen Stellen können Hinweise für einen Knochenbruch sein.
 

Welche Art von Brüchen gibt es und wie unterscheidet sich deren Behandlung?

Wir unterscheiden verschiedene Brucharten. Einfache Brüche – vor allem bei Kindern und Jugendlichen – werden eingerenkt und heilen von selbst. Schwierig bis unmöglich ist eine Stabilisierung etwa bei Zehenoder Rippenbrüchen. Wichtig ist immer, wie der Bruch wieder zusammenwächst. Denn Fehlstellungen beeinträchtigen die Funktionalität der betroffenen Gliedmasse und können zu dauerhaften Schmerzen führen.
 

Welche Methoden stehen dem Traumatologen dabei zur Verfügung?

Brüche behandeln wir konservativ oder operativ, je nachdem um welche Fraktur es sich handelt. Dabei stellen wir die betroffene Stelle ruhig und lassen dem Knochen die Zeit, die er braucht, um von alleine wieder zusammenzuwachsen. Bei Kindern und Jugendlichen funktioniert dies recht gut. Bei älteren Personen ist das ungleich schwerer. Darum ist bei älteren Menschen häufig eine operative Stabilisierung mittels Schrauben, Platten oder Nägeln notwendig.
 

Gerade bei älteren Menschen ist der Bruch des Oberschenkelhalsknochens gefürchtet. Warum?

Oberschenkelhalsbrüche treten oft bei älteren Menschen auf. Der Knochenschwund, die sogenannte Osteoporose, begünstigt dies. Frauen sind häufiger betroffen als Männer. Ein Oberschenkelhalsbruch ist ein Notfall, welcher innerhalb von 24 bis 48 Stunden operiert werden sollte. Denn später steigt das Risiko fu?r Komplikationen erheblich, weil sich beispielsweise durch die fehlende Mobilität Thrombosen entwickeln können. Nach der Operation setzen wir alles daran, gerade ältere Menschen so schnell wie möglich mit Physiotherapie wieder auf die Beine zu bekommen.
 

Was passiert, wenn ich mit Verdacht auf einen gebrochenen Knochen auf die GZO-Notfallstation komme?

Wir nutzen moderne bildgebende Verfahren für eine präzise Diagnose. Danach wissen wir, wie der gebrochene Knochen stabilisiert werden muss und können erste Prognosen zum erwarteten Heilungsprozess stellen. Falls keine Operation notwendig ist, stabilisieren wir vor Ort das gebrochene Glied und schicken die betroffene Person später für die weitere Behandlung zurück zu ihrer Hausärztin oder zu ihrem Hausarzt.

 

Weitere Informationen und die Anmeldemöglichkeit zum öffentlichen Vortrag vom 21. September finden Sie auf unserer Veranstaltungsseite

 

Carina Schulze
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