Plantarfasziitis / Fersensporn

Wenn Ferse und Fusssohle schmerzen, steckt oft eine Entzündung der Sehnenplatte der Fusssohle dahinter. Ein Fersensporn ist eine mögliche Begleiterscheinung.

Definition

Eine Plantarfasziitis ist eine Entzündung des Ursprungs der sogenannten Plantarfaszie am Fersenbein. Die Plantarfaszie ist ein kräftiges, bindegewebiges Band, das vom Fersenbein zu den Mittelfussköpfchen verläuft und das Fussgewölbe stützt. Es ist entscheidend für einen harmonischen Gang. Ohne dieses Band  könnten wir uns beim Gehen schlechter abstossen und das Gewölbe würde eher kollabieren (Entwicklung eines Plattfusses). Das Krankheitsbild wird im Sprachgebrauch häufig fälschlicherweise als Fersensporn bezeichnet, dieser ist jedoch nur sehr selten für die Schmerzentstehung verantwortlich.

Ursachen

Durch chronische Überlastung am Ursprung der Plantarfaszie am Fersenbein kann es zu gehäuften und wiederkehrenden Mikroeinrissen kommen, die nicht heilen können. Auch durch wiederholte Traumata mit wiederkehrender Entzündung und Reizung der Knochenhaut kann es zur Schmerzentstehung kommen. Neben der Plantarfaszie haben am Fersenbein drei Fussmuskeln ihren Ursprung. Bei Verkürzung dieser Muskeln und vermehrtem Zug kann es ebenfalls zu einer Entzündung kommen.

Im Bereich der Entzündung kommt es zum Teil zu Kalkeinlagerungen. Diese bilden den auf einem Röntgenbild erkennbaren Fersensporn. Der Sporn ist jedoch auch bei vielen Menschen ohne Beschwerden als Zufallsbefund erkennbar und nicht die Beschwerdeursache.

Symptome

Die Patienten beschreiben Fersenschmerzen unten bis innenseitig an der Fusssohle, welche v.a. bei den ersten Schritten am Morgen und nach längerem Sitzen, aber auch nach längerem Laufen und Stehen auftreten. Anfangs bessern sich die morgendlichen Schmerzen beim Gehen. Einige Patienten laufen zur Entlastung der Ferse vermehrt im Zehengang. Die Beschwerden können ein- oder beidseitig auftreten.

Diagnose

Die Diagnose ist eine sogenannte klinische Diagnose, die durch die Untersuchung beim Arzt gestellt wird. Hier zeigt sich ein Druckschmerz unten bis innenseitig im Bereich der Ferse mit einer Verstärkung bei Dorsalflexion des Fusses (Hochziehen der Zehen und des Fusses). Dies häufig in Kombination mit einer verkürzten Fuss- und Wadenmuskulatur, welche die Dorsalflexion weiter einschränkt. Ein Röntgenbild kann ursächliche Fussfehlstellungen und einen Kalksporn zeigen.

Therapiemöglichkeiten

Als erster Schritt ist in allen Fällen die konservative, das heisst nicht-operative, Behandlung zu empfehlen. Internationale vergleichende Studien zur Behandlung der Plantarfasziitis konnten keine Vorteile operativer Therapien zeigen und die Risiken der konservativen Therapie sind deutlich geringer. Die Behandlung der Plantarfasziitis ist jedoch langwierig.

Zunächst ist ein spezifisches Dehnungsprogramm der Plantarfaszie und der Wadenmuskulatur für mindestens 3 Monate zu empfehlen. Bei konsequenter Durchführung führt dies in den allermeisten Fällen (> 90%) zu einer deutlichen Linderung oder sogar zur Ausheilung. Zusätzlich zu den Dehnungsübungen ist das Tragen von Einlagen, welche die Ferse weichbetten und das schmerzhafte Areal beim Laufen entlasten zu empfehlen.

Patienten mit dem typischen morgendlichen Anlaufschmerz profitieren von einer passiven, nächtlichen Wadendehnung. Diese wird durch das Tragen einer Nachtlagerungsschiene oder eines speziellen Strumpfes erreicht. Durch diese Massnahmen tritt in der Regel eine deutliche Besserung ein. Bei leichten Restbeschwerden muss die Dauer der Therapie verlängert werden (ca. weitere 3 Monate).

In den wenigen Fällen (< 10%), bei denen die konservative Behandlung nach 3-6 Monaten nicht zu einer ausreichenden Beschwerdelinderung der Fersenschmerzen führt, muss eine Infiltration (Spritze) oder Stosswellenbehandlung diskutiert werden.

In seltenen Fällen erzielen diese Massnahmen keine ausreichende Beschwerdelinderung. Nur dann ist eine operative Behandlung in Betracht zu ziehen. Der Eingriff umfasst ein Ablösen der Plantarfaszie vom Knochen mit Entfernung des entzündlichen Gewebes und – falls vorhanden – ein Abtragen des knöchernen Fersensporns.  

Verlauf

Die Plantarfasziitis ist eine harmlose Erkrankung und vergeht immer. Allerdings können die Beschwerden in seltenen Fällen 2-3 Jahre anhalten. Eine ärztliche Untersuchung sollte erfolgen, um andere Ursachen der Beschwerden auszuschliessen

Risikofaktoren

Risikofaktoren für die häufige Plantarfasziitis (0.3 - 0.5% der Bevölkerung pro Jahr) sind an erster Stelle eine verkürzte Waden- und Fussmuskulatur, gefolgt von Übergewicht und Fuss-Deformitäten (Plattfuss, Hohlfuss) sowie stehende Berufe und Lauf- oder Tanzsport.

Vorbeugende Massnahmen

Ein Vermindern der genannten Risikofaktoren ist der beste Weg, einer Plantarfasziitis vorzubeugen. Übergewicht ist zu vermeiden, die Integration eines Dehnungsprogrammes der Fuss- und Wadenmuskulatur in den Alltag ist zu empfehlen und auf das Tragen von gutem Schuhwerk ist zu achten.