Indikationskriterien für eine spezialisierte Palliative Care


Indikationskriterien für spezialisierte Palliative Care gemäss BAG

Das BAG hat 2010 Indikationskriterien für Fachpersonen, wann spezialisierte Palliative Care beigezogen werden soll, definiert. Die Kriterien orientieren  sich an den Bedürfnissen Betroffener und nicht an den Diagnosen der Patientinnen und Patienten. Es wurden die Begriffe Instabilität und Komplexität als massgebend angesehen.
 

Folgende Kriterien werden als wichtig erachtet:

  • Der Bedarf einer vorausschauenden Planung bezüglich möglicher, zu erwartender Komplikationen.
  • Die Vermeidung von  Notfall-Hospitalisierungen, da Aufenthalte auf der Notfallstation für schwerkranke Menschen meist sehr belastend sind und bei guter Unterstützung zu Hause, oft vermieden oder durch einen geplanten und gut organisierten Spitalaufenthalt, ersetzt werden können.
  • Das Vorhandensein belastender und komplexer Symptome oder Symptomgruppen (komplexe Schmerzen, Atemnot, Verwirrung, Übelkeit und weitere), eine Verschlechterung oder Instabilität des Allgemeinzustandes von Menschen mit fortgeschrittenen Erkrankungen, psychischen Krisen und Verletzlichkeiten auf Grund einer schweren Erkrankung.
  • Die Notwendigkeit der Beratung und Schulung von Patienten,  Angehörigen und Fachpersonen bei der Symptomkontrolle.
  • Schwierige Entscheidungsfindungen, Unsicherheit bzgl. weiterer Behandlung, Sterbewunsch, Suizidbeihilfe, Therapieabbruch oder eine eingeschränkte Urteilsfähigkeit der Betroffenen können durch spezialisierte Palliative Care unterstützt werden. 
  • Die Notwendigkeit zusätzlicher Betreuung überlasteter Angehöriger, bei sozialer Isolation der erkrankten Menschen, bei Konflikten wegen kultureller Hintergründe oder Konflikten mit Zielen therapeutischer Massnahmen.
  • Zur Organisation oder Beratung einer weiteren Versorgung zu Hause.
  • Trauer, Lebenssinnfragen oder spirituelle Bedürfnisse können ein Grund sein, spezialisierte Palliative Care einzubeziehen.
  • Wenn schwerkranke Patientinnen und Patienten mit mehr als zwei Notfall-Hospitalisierungen in einem Jahr konfrontiert sind.

 

Kriterien für spezialisierte Palliative Care im GZO Spital Wetzikon

Im GZO Spital Wetzikon sollen gemäss der Definition der WHO auch explizit Nicht-Krebspatienten eine palliativ-medizinische Betreuung und Pflege erhalten. Das Ziel dieses Konzeptes ist es, allen unheilbar Kranken mit begrenzter Lebenserwartung Massnahmen zur Verbesserung ihrer Lebensqualität anzubieten.
 

Bei folgenden Kriterien und Erkrankungen ist eine spezialisierte palliative Betreuung sinnvoll: 

  • Karzinom mit Fernmetastasen.

  • Herzinsuffizienz NYHA IV mit Kontraindikationen für VAD oder Transplantation.

  • COPD Gold Stadium IV: FEV1 unter 30% oder unter 50% mit Ruhe Dyspnoe, FEV1/FVC unter 0,7.

  • Neurologische Erkrankungen (Parkinson, MS, ALS, Schlaganfall..) mit persistierender oder progressiver Dysphagie. Eine Studie von Müller et al (2001) zeigte eine mittlere Überlebensdauer von Patienten mit Bewegungsstörungen von 15-24 Monaten nach dem Auftreten von Schluckstörungen.

  • Zusätzlich soll die Lebenserwartung durch den Hausarzt oder behandelnden Spezialisten oder den Oberarzt der entsprechenden Station auf weniger als ein Jahr geschätzt werden.

  • Falls kein Arzt sich die Einschätzung der Lebenserwartung zutraut, kann als weiteres Kriterium  der  physische Status mit Hilfe des ECOG Leistungsstatus 2-5  (Hilfe bei der Verrichtung der Alltagsaktivitäten oft oder dauernd nötig) beurteilt werden. 

  • Mindestens zwei Hospitalisierungen in den letzten 12 Monaten sind als  weiterer Hinweis zu werten.