Drohende Frühgeburt

Definition Frühgeburt

Unter «Frühgeburt» versteht man eine Geburt vor Abschluss der 37. Schwangerschaftswoche,also mehr als 3 Wochen vor dem errechneten Termin. Die Frühgeburt ist der Hauptgrund für Neugeborenensterblichkeit und schwere bleibende Schäden, vor allem bei den ganz kleinen Frühgeborenen. Die Häufigkeit in den meisten westlichen Ländern liegt zwischen 7 und 8 %aller Geburten und nimmt trotz medizinischer Fortschritte weltweit eher zu.

Ursachen der Frühgeburt

Die Ursachen der Frühgeburt sind vielfältig. Meistens wird sie durch eine Infektion im Bereich des Gebärmutterhalses oder der Gebärmutter ausgelöst, seltener durch eine allgemeine Infektion der Mutter. Andere Ursachen sind vorzeitiger Blasensprung, Mehrlinge, Blutungen, Wachstumsverzögerung des Kindes oder Schwangerschaftsvergiftung. Eine Kombination dieser und anderer Faktoren erhöht das Risiko einer Frühgeburt.

Es gibt Situationen, in denen vor einer Frühgeburt keinerlei Beschwerden auftreten und nach Abgang von etwas blutigem Schleim aus der Scheide unmittelbar das Baby geboren wird. Häufiger jedoch verspürt die Schwangere ein Ziehen im Unterbauch oder regelmässige Kontraktionen. Manchmal ist bereits jetzt die Fruchtblase gesprungen.

Vorsorgliche Massnahmen

Bei einer drohenden Frühgeburt müssen alle möglichen Gefahren für Mutter und Kind ausgeschlossen werden. Je nach Alter der Schwangerschaft bestimmen wir mit dem Ultraschall Grösse und Lage des Kindes und messen die Länge des Gebärmutterhalses. Die Herzaktion und mögliche Wehentätigkeit werden aufgezeichnet und Abstriche zum Ausschluss von Infektionen der Scheide durch aufsteigende Bakterien genommen. Wir untersuchen auch, ob ein Blasensprung stattgefunden hat.

Therapiemöglichkeiten

Je nach Schwangerschaftsalter reichen Ruhe und körperliche Schonung aus, um die Gefahr einer Frühgeburt abzuwenden. Bis zum Erhalt der Abstrichresultate werden Antibiotika verabreicht, da die meisten Frühgeburten durch Infektionen ausgelöst werden. Bei noch sehr junger Schwangerschaft muss eventuell mit einem Medikament die kindliche Lunge vorgereift werden, damit das Kind nach der Geburt möglichst keine Atemhilfe benötigt. Ausserdem müssen die Wehen gestoppt werden, entweder mit Tabletten oder einer Infusion. Manchmal ist eine Operation zum Verschluss des Gebärmutterhalses durch Einlage eines Bändchens (Cerclage) oder Verschluss des Muttermundes sinnvoll. In vielen Fällen kombinieren wir mehrere dieser Therapiemöglichkeiten. 

Je früher ein Kind geboren wird, desto grösser ist die Gefahr, dass es nicht oder nicht gesund überleben kann. Seine Chancen, überhaupt zu überleben, beginnt mit etwa 25 - 26 abgeschlossenen Wochen und steigt danach steil an. Hier gibt es jedoch beträchtliche individuelle Unterschiede. Aber auch mit 35 Wochen kann ein Frühgeborenes zusätzliche Hilfe benötigen, wenn es z. B. noch nicht gut an der Brust trinken kann oder aufgrund der noch unreifen Leber einen sogenannten «Neugeborenen-Ikterus» (Gelbsucht) entwickelt. Ziel ist es daher, die Geburt möglichst lange zu verzögern, weil das gesunde Überleben des Kindes mit jedem Tag wahrscheinlicher wird. Mit einer ganzheitlichen Betreuung der Mutter und ihres ungeborenen Kindes können wir als Team viel dazu beitragen, dass dies gelingt.